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Phobien – spezifische Ängste

Als Phobien bezeichnet man die unverhältnismäßig Ängste vor bestimmten Dingen, Tieren, Berufsgruppen oder Situationen. Neben der so genannten sozialen Phobie, die sich über das ganze Leben erstrecken kann, treffe ich in meiner Praxis auch immer wieder auf ungewöhnliche Phobien.

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Einführung
Beispiele
Ursachen für Phobien
Symptome
Behandlung
Angst Selbsttest

Einführung

Angst ist in einem gewissen Rahmen völlig normal und alltäglich. Sicher ist es gar nicht so schlecht, wenn Kinder schon früh Respekt vor heißen Herdplatten und stark befahrenen Straßen bekommen. Angst schützt uns bis zu einem gewissen Grad. Bei Phobien haben die Betroffenen jedoch starke Angst vor an sich völlig ungefährlichen Dingen oder vor Situationen, die man leicht bewältigen könnte.

Leider geschieht es bei Phobien nicht selten, dass die Betroffenen anfangen, die entsprechenden Situation zu vermeiden. Vermeidung führt dann zu einer Verstärkung der Angst. Verständlich ist die Vermeidungstaktik zwar, da Angst mit sehr unangenehmen, körperlich wahrnehmbaren Gefühlen einhergeht, aber sie ist keine echte Lösung. Manchmal weitet sich die Angst durch die Vermeidung so aus, dass jemand seine Wohnung gar nicht mehr verlassen kann. Er hat mittlerweile vor allem Angst. In diesem Fall spricht man von der so genannten generalisierten Angststörung.

Depressionen gesellen sich zu Phobien

In über der Hälfte der Fälle haben Angstpatienten auch Depressionen. Für die Diagnose ist dann die zeitliche Abfolge wichtig, welche Symptome zuerst aufgetreten sind.
Viele versuchen, sich mit Hilfe von Alkohol zu entlasten. Manch einer trinkt auch einfach aus Langeweile, wenn er das Haus nicht mehr verlassen kann. In jedem Fall ist die Gefahr, eine Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen zu entwickeln stark erhöht.

Beispiele

Die Liste der Phobien ist schier endlos. Darunter gibt es einige Kuriositäten, wie die „Geliophobie“, das ist die Angst vorm Lachen. Auf den ersten Blick erscheint so etwas unverständlich. Aber das Beispiel zeigt, dass man wirklich vor allem eine Phobie entwickeln kann, auch vor nackten Bäuchen oder der Haut auf der Milch.
Die Agoraphobie und die soziale Phobie nehmen eine Sonderstellung ein. Siehe die folgenden Absätze.

Agoraphobie

Der Agoraphobiker verlässt ungern das Haus, hat Angst, Geschäfte zu betreten oder auf öffentlichen Plätzen zu sein, wo sich viele Menschen befinden. Sie haben auch Befürchtungen, wenn sie allein in öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Häufig ist bei der Agoraphobie eine zusätzliche Panikstörung mit Angstattacken. Zur Angstvermeidung entwickeln sich manchmal auch Zwangserkrankungen. Soziale Phobien kommen häufig hinzu.
Da Agoraphobiker sehr zur Vermeidung neigen, erleben sie die Angst selber nur selten. Sie erleben ihre Störung eher als „Blockade“ und als Gefühl, vom Leben abgeschnitten zu sein.

Soziale Phobie

Sozialphobiker fürchten sich sehr vor Kritik, weil sie ein niedriges Selbstwertgefühl haben. Deshalb sind sie äußerst sensibel und fühlen sich oft von anderen geprüft und verurteilt. Sie entwickeln oft für andere wahrnehmbare Symptome, wie Angst vorm Erröten, Zittern der Hände, vermehrter Drang zum Wasserlassen oder Stuhldrang. Weil Menschen mit sozialen Phobien natürlich am allerwenigsten möchten, dass andere ihre Unsicherheit sehen, sind es meiste diese sichtbaren Symptome, die sie zur Therapie bringen.
Auch die soziale Phobie kann mit Panikattacken einhergehen.

Spezifische Phobien

Das, was man eigentlich mit Phobien meint, sind die spezifischen Phobien. Diese sind wirklich beschränkt auf ganz bestimmte Situationen, Gegenstände, Tiere und so weiter.

Die häufigsten sind vermutlich die Flugangst, Prüfungsangt, Angst vor Spinnen, Hunden usw., Höhenangst, Angst vor engenen Räumen. Aber häufig sind auch die Angst beim oder vor dem Autofahren oder Angst vor bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Nicht alle spezifischen Phobien haben Auswirkungen auf das Leben. Höhenangst im Gebirge kann man leicht vermeiden. Aber Hunden begegnet man immer wieder auf der Straße, und Spinnen verlaufen sich auch oft in die eigene Wohnung. Bei einer Zahnarztphobie wird es auf Dauer sogar problematisch, da notwendige Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen ausbleiben.

Ursachen für Phobien

Wenn man von klein auf eher ängstlich ist oder von den Eltern ein ängstliches und vermeidendes Verhalten vorgelebt bekommt, könnte dies das Entstehen von Pobien begünstigen. Wer andererseits in einem stabilen und liebevollen Elternhaus aufgewachsen ist und ein starkes Selbstbewusstsein mitbekommen hat, neigt weniger zu Ängsten.

Aber auch Menschen, die grundsätzlich emotional stabil sind, können eine Phobie entwickeln. Bei einem traumatischen Erlebnis werden Muster im limbischen System des Gehirns angelegt, die uns vor einer Wiederholung des Schmerzes oder der Verletzung zu schützen versuchen. Sobald eine ähnliche Situation eintritt, wird das Muster aktiviert und der Körper reagiert mit Angst. Wir wollen fliehen. Wenn die Angst sehr groß ist, kann man auch völlig erstarren (Schreckstarre).
Phobien können auch ansteckend sein: Wenn ein Kind beobachtet, dass ältere Geschwister oder ein Erwachsener mit ängstlichem Schreien und Panik auf den Anblick einer Spinne reagiert, wird im Kind diese Information genau so effektiv verankert, als ob es selber ein Trauma erlitten hätte.

Im Folgenden erzähle ich eine kurze (erfundene) Geschichte, in der sich eine Phobie entwickelt hat. Wir finden darin mehrere Faktoren: Ein initiales Ereignis, Vermeidungsverhalten, ungünstige körperliche oder äußere Umstände. Im Laufe von Monaten oder Jahren kann sich die spezifische Phobie zu einer Agoraphobie mit Panikattacken ausweiten. Angst neigt dazu zu „generalisieren“.

Beispielgeschichte für die Entstehung einer Phobie

Frau N.N. ist von Haus aus schon recht angespannt und geht eher etwas ängstlich durchs Leben und neigt schon immer zu niedrigem Blutdruck. Heute ist ein heißer Sommertag und sie hat ausnahmsweise nicht so gut geschlafen, weil sie Verdauungsprobleme hat. Sie geht in die Apotheke, um sich ein Mittel gegen ihren leichten Durchfall zu besorgen. In der Apotheke muss sie länger anstehen, und ihr wird dort schlecht. Es ist ihr ungeheuer peinlich. Der Blutdruck scheint ins Bodenlose zu sacken. Sie bekommt feuchte Hände und in den Ohren beginnt es zu rauschen. Bevor ihr schwarz vor Augen wird, rettet sie sich nach draußen und setzt sich auf ein Mäuerchen. Die Apothekerin sieht das und eilt ihr nach. Die anderen Kunden kommen ebenfalls aus der Apotheke und stehen um sie herum. Der Blutdruck wird gemessen, ist aber bereits wieder fast normal. Die Aufmerksamkeit der anderen Menschen ist ihr unangenehm. Bei ihrem nächsten Besuch in der Apotheke einige Wochen später löst allein der typische Apotheken-Geruch die Erinnerung an ihren Beinahe-Zusammenbruch aus. Sie beginnt - ängstlich wie sie ist - nachzuspüren, ob ihr gerade wieder schlecht wird, und nach kurzer Zeit ist die Übelkeit tatsächlich wieder da. Sogar ein leichter Schwindel stellt sich ein. Diese Symptome kann man, wenn man dafür empfindlich ist, leicht durch Vorstellung und intensives Hineinfühlen selber erzeugen. Sie verlässt, bevor Schlimmeres passiert, die Apotheke. Beim nächsten Mal schickt sie ihren Mann in die Apotheke, um ihr etwas zu besorgen, weil sie Angst hat, es könne ihr wieder so schlecht werden. Und schon entwickelt sich schleichend eine Phobie.

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Symptome

Die Symptome bei einer Phobie sind die typischen Angst-Symptome. Emotional hat man den Impuls zu fliehen, man möchte im Boden versinken oder wegrennen. Körperlich kann die Anspannung bis hin zu einer Schreckstarre (Totstellreflex) führen. Harndrang, Zittern, Schwitzen, Übelkeit und Schwindel können auftreten. Herzklopfen ist nicht selten sowie das Gefühl, nicht richtig atmen zu können oder Druckgefühl in Hals und Brust sowie weiche Knie. Sobald die angstauslösende Situation, Gegenstand oder das gefürchtete Tier nicht mehr da ist, klingen die Symptome schnell wieder ab. Allein die Vorstellung von der Situation kann bereits die Symptome auslösen.

Behandlung

Lampen in der Reihe

Bei spezifischen Phobien hilft besonders gut die so genannte Expositionstherapie. Sie ist eine Technik der Verhaltenstherapie. Man wird schrittweise an die angstauslösende Situation herangeführt, so dass sich der Angst-Reflex nach und nach auflösen kann.
Um die Ursachen zu bekämpfen, eignet sich die Hypnose sehr gut. Man kann die Bedeutung der Situationen wieder realistisch sehen, so dass das Objekt der Phobie seinen Schrecken verliert.
Nicht selten ist es nötig, für die Auflösung der Phobie das zugrundeliegende Trauma zu verarbeiten, was eine recht entlastende Erfahrung sein kann. Zum Beispiel könnte festgestellt werden, warum Frau N.N. (s.o.) grundsätzlich etwas angespannt oder so ängstlich ist. Ein so genanntes Entwicklungstrauma könnte dahinter stecken. Vielleicht ist es schon ein erster guter Schritt, mit Hilfe von Entspannungstechniken die Anspannung aus dem Körper zu bekommen.

Bei Fragen stehe ich gern zur Verfügung!