Missverständnisse über Hypnose

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ein wenig über den Zustand der Hypnose, Hypnosetiefe, was passiert, wenn man nicht aus der Hypnose herausgeholt wird, über Intelligenz, Willensstärke und (mangelnde) Vorstellungskraft, über Widerstände und ob Hypnose nun Hokuspokus ist oder nicht. Ich versuche, die gängigen Missverständnisse zu klären.

Zustand der Hypnose

Wahrscheinlich ist mittlerweile allgemein bekannt, dass man in einer Hypnose bei vollem Bewusstsein bleibt. Es gibt aber bei dem Thema noch immer viele Missverständnisse. Es kann zwar durchaus vorkommen, dass man sich nach der Sitzung nicht mehr an die Einzelheiten der Hypnose erinnert, aber das ist eher selten der Fall und ist abhängig von der Hypnosetiefe. Häufig kommt es vor, dass man das Zeitgefühl verliert und die Dauer der Hypnose falsch einschätzt, aber das ist auch nicht immer der Fall.

Hypnosetiefe

Zum Thema Hypnosetiefe gibt es ebenfalls falsche Vorstellungen. Eine Hypnose ist nicht wirksamer, je tiefer sie ist. Ich muss zugeben, dass ich vor über dreißig Jahren, als ich angefangen habe, mich für Hypnose zu interessieren, auch so gedacht habe. Die Wahrheit ist, dass man mit zunehmender Tiefe andere und weitergehende Effekte erzeugen kann. Zum Beispiel positive oder negative Halluzinationen, das bedeutet, dass man Dinge wahrnimmt, die gar nicht da sind oder dass man etwas nicht mehr wahrnimmt, obwohl es da ist.

Halluzinationen?

Es dürfte klar sein, dass für eine therapeutische Hypnose halluzinatorische Effekte nicht notwendig sind. Für so etwas ist eher die Showhypnose zuständig. Man kann relativ leicht und schnell bewirken, dass jemand ein bestimmtes Wort – z.B. seinen Namen – nicht mehr aussprechen kann oder sein Geburtsdatum vergisst. Mir fällt allerdings kein therapeutisches Setting ein, in dem so etwas hilfreich wäre. Gerade, wenn man in einer entspannten Situation ist, nämlich sitzend oder liegend mit geschlossenen Augen, kann bei einer zu tiefen hypnotischen Trance auch die Verbindung zum Therapeuten („Hypnotiseur“) abreißen. Dann gleitet man in den Schlaf.

Vielmehr geht es darum, bestehende Muster umzulernen. Und dafür ist eine leichte bis mittlere Trance der beste Zustand. (Genaueres erfahren Sie dazu auf der Seite „Hypnose / Hypnotherapie“.)

Bei mir funktioniert das nicht …

„Bei mir funktioniert Hypnose nicht, weil ich zu willensstark, zu intelligent, zu verkopft bin oder ich kann mir schwer etwas vorstellen.“
Antwort: Auch das sind Fehlannahmen. Denn gerade Intelligenz und Willensstärke sind gute Voraussetzungen, wenn man eine Veränderung in seinem Leben erfahren möchte.

Verkopftheit

Verkopft sind wir Erwachsenen alle zum großen Teil, da bietet es sich an, eher mit symbolträchtigen Geschichten und Bildern zu arbeiten, die den Verstand ein bisschen überlisten. Abstrakte Suggestionen begünstigen, dass der Patient in der Hypnose ins Nachdenken kommt. Bisher war noch niemand zu verkopft, um in Hypnose zu gehen.

Vorstellungskraft

Auch vorstellen kann sich jeder etwas. Denn wenn man es schafft, sich schreckliche Szenarien aus Zukunft und Vergangenheit auszumalen (z.B. bei Ängsten und Depressionen), kann man sich auch etwas anderes vorstellen. Es ist nicht nötig, dass man in der Hypnose realistische Bilder erzeugt, wie man sie mit den physischen Augen sehen würde, also „visualisiert“. Eine einfache Vorstellung, visuell, auditiv oder das Gefühl dazu, ist völlig angemessen.

Widerstände

„Meine Widerstände sind zu stark, als dass bei mir Hypnotherapie helfen würde.“
Antwort: Die Widerstände sind genau die Punkte, an denen man therapeutisch sehr gut ansetzen kann. Sie sind – therapeutisch betrachtet – eine Hilfe, um das vorhandene Muster in etwas Hilfreiches zu verwandeln. Widerstände haben nicht die Bedeutung, dass der Patient eigentlich gar nichts ändern will, sondern sie sind Teil des zu behandelnden Problems!

„Mir ist Hypnose unheimlich.“

Antwort: Das ist sehr verständlich, wenn man bedenkt, welche Geschichten in manchen Filmen und Büchern über Hypnose verbreitet werden. Nicht wenige Menschen haben Angst, dass sie in der Hypnose mit ihren schlimmsten Monstern konfrontiert werden. Oder dass der Therapeut Dinge herausfindet, die besser nicht bekannt werden sollten, weil man sie ja unter Umständen sogar vor sich selber versteckt.

In den vielen Jahren, in denen ich jetzt schon mit Patienten in hypnotischer Trance arbeite, ist bei niemandem ein Monster an die Oberfläche gekommen ist, das zu schrecklich war. Ich habe auch keine furchtbaren Geheimnisse („Leichen im Keller“) kennengelernt. Vielmehr gab es fast immer hilfreiche und interessante Erkenntnisse über das eigene Seelenleben, was meistens als sehr bereichernd wahrgenommen wurde.

Kann man auf ewig in der Hypnose bleiben?

Und was passiert eigentlich, wenn man nicht mehr aus der Hypnose herausgeholt wird? Der Therapeut könnte ja einschlafen oder ohnmächtig werden, herausgehen und den Patienten vergessen. Wird man da nicht für immer und ewig in Trance bleiben? Antwort: Natürlich nicht. Nichts weiter passiert. Entweder schläft man ein oder – in den meisten Fällen – wird der Patient merken, dass lange nichts gesagt oder getan wurde und sich selber aus der Hypnose herausholen.

Wissenschaftlich gut begründet

„Hypnose ist Hokuspokus und unwissenschaftlich.“ Antwort: Dieser Vorwurf ist lange widerlegt. Es gibt mehr als ausreichend viele Untersuchungen zur Wirksamkeit der Hypnotherapie, die belegen, dass sie eine der erfolgreichsten Therapiemethoden darstellt. Dass es diesen Vorwurf einmal gab, ist gut nachvollziehbar. Man denke an die bereits oben erwähnten sensationslüsternen Bücher aus den Anfängen der Hypnose, Filme, oder Erfahrungen mit der Showhypnose. Sicherlich kann man mit dem menschlichen Geist viel Unfug anrichten, aber richtig ausgeführt, ist die Hypnotherapie die wohl angenehmste und eine der vielversprechendsten Therapieformen mit einem unglaublich breiten Anwendungsspektrum.