Süchte und Abhängigkeiten

Sucht geht über die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen hinaus. Abhängig kann man auch von einem äußeren Verhalten oder einer inneren Haltung sein. Man muss den Begriff also weiter fassen.

Obwohl man weiß, dass das eigene Handeln für die Gesundheit, die Beziehungen oder die finanzielle Situation schädlich ist, hält man dennoch an seiner Sucht fest.

Türklinke
„Ich lebte am Rande des Wahnsinns. Ich wollte den Grund dafür erfahren und klopfte an eine Tür. Sie öffnete sich. Ich habe von innen geklopft.“ (Rumi)

Nicht selten hört man, dass das Wort Sucht von „suchen“ kommt: „Der Süchtige sucht nach Erfüllung“ oder dergleichen. Das klingt zwar logisch, ist aber falsch. Das Wort kommt von alt- und mittelhochdeutsch suht und bedeutet „Krankheit“. Die Worte siech für „krank“ und siechen für „krank sein“ sind nahe Verwandte, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Man kennt diese Bedeutung noch aus Krankheitsbegriffen wie Gelbsucht oder Schwindsucht. Eine Sucht ist also eine Krankheit, ein schädliches oder riskantes Verhalten.

Unterscheidung der Süchte

Man unterscheidet die Abhängigkeiten – ein anderes Wort für Sucht – in körperliche und psychische Abhängigkeiten. Körperlich abhängig bedeutet, dass man körperliche Entzugserscheinungen entwickelt, wenn die Sucht nicht erfüllt wird. Bei der psychischen Abhängigkeit entwickelt man eher emotionale Symptome, z.B. innere Unruhe, Angst, Niedergeschlagenheit.

Man kann Süchte auch in substanzgebundene und substanzungebundene Süchte unterteilen. Bei den ersten geht es um Stoffe wie Alkohol, Nikotin, und THC. Bei den zweiten um echte Verhaltensweisen: übermäßige Beschäftigung mit Spielen, Kaufen, Internet, Pornos, Sex, Arbeiten.

Die ganz gewöhnliche Sucht

Darüber hinaus gibt es noch die Sucht nach inneren oder äußeren Verhaltensweisen, bei denen man überhaupt kein Wohlgefühl erfährt:

  • Die Sucht nach Groll und Ärger,
  • die Sucht nach Angst,
  • die Streitsucht,
  • die Sucht, sich selber abzuwerten und
  • sich schuldig zu fühlen …

Worum geht es?

All diese Unterscheidungen sind wichtig für die allgemeine Richtung der Therapie, aber je tiefer man blickt, umso mehr verschwinden die äußeren Unterschiede. Denn letztendlich geht es darum, dass mit der abhängigmachenden Substanz oder dem Verhalten etwas Gutes erreicht werden sollte, wie gesagt oft zum Schaden von Gesundheit, Beziehungen und Finanzen. Letztendlich kann man es auf diesem Weg jedoch niemals vollständig erreichen. Man könnte sich also die Frage stellen: Was ist oder war es, das ich mit meiner Sucht „eigentlich“ erreichen wollte? Und wie könnte ich dasselbe besser erreichen? Also vielleicht ist die Krankheit doch auch eine Suche, aber nach was?

Therapie

Vorsorge: (Beispiele) „Ich habe Angst, dass mein Konsum riskant hoch oder zu regelmäßig ist.“ „ Ich möchte auf Pornos verzichten, wenn es unpassend ist, meine Balance von Arbeit und Familienleben wieder auf ein vernünftiges Maß bringen. “

Nachsorge: (Beispiel) „ Ich habe die Entgiftung und Entwöhnung hinter mir und möchte nun diesen gesunden Zustand stabilisieren und nicht wieder in die gleichen, alten Fallen tappen.  “

Die Therapie in der Vor- und Nachsorge oder bei den oben genannten substanzungebundenen Süchten besteht unter anderem darin, die gute Absicht, mit der man sich früher seiner Sucht hingegeben hat, nun auf eine sinnvollere Weise zu erfüllen. Sicherlich kann man herausfinden, woher das ursprüngliche Bedürfnis kam. Aber vor allem gilt es, umzudenken, nach vorne zu blicken und zu einem gesunden Leben mit Genuss, Gelassenheit und Energie zurückzufinden oder diesen zu festigen. Hierbei können Hypnose, Selbsthypnose und Achtsamkeitsmeditation hilfreiche Mittel sein.

Ich behandle außer bei Nikotinabhängigkeit keine akuten Abhängigkeitssyndrome. Bei akutem Alkoholismus oder körperlicher Abhängigkeit von anderen Substanzen kann ich nicht aktiv werden, in der Nachsorge oder in der Vorsorge jedoch schon. Informieren Sie sich bitte über die Möglichkeiten von Entgiftung und Entwöhnung im offiziellen Stadtportal München zum Thema Drogenberatung und Suchtprävention.